Cesenatico

Vom 04.-13.04.2003 fuhr ich erstmals in ein Trainingslager mit dem Weimarer Radfahrverein "Die Löwen". Als Reiseziel wurde Cesenatico auserkoren, gelegen an der „sonnigen“ italienische Adriaküste der Emilia Romagna, die Heimat des Marco Pantani. Endlich sollten die langen Wintersachen wenigstens mal für eine Woche der Vergangenheit angehören. Ob das Wetter zum ausgiebigen radeln einlud und ob das Wort Trainingslager wirklich etwas mit Training gemein hat, dass alles findet man unter der entsprechenden Rubrik. ²

Cesenatico wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts von der Gemeinde Cesena gegründet, die für ihre florierende Handelstätigkeit einen Zugang zum Meer benötigte. Der Hafen von Cesenatico erlangte in kurzer Zeit eine große wirtschaftliche und politische Bedeutung im nördlichen und mittleren Adriaraum, weshalb er mehrmals durch konkurrierende benachbarte Städte zerstört wurde. 1502 beauftragte Cesare Borgia den Architekten und Ingenieur Leonardo da Vinci mit der Befestigung des Hafens. Und noch heute überlebt der Hafen Leonardos auf den alten Anlagen. Im achtzehnten Jahrhundert wählte Pietro Leopoldo, Großherzog der Toskana, den Hafen von Cesenatico, der zu jener Zeit vorwiegend von Transportschiffen frequentiert wurde, als Endpunkt einer Fahrsraße, die das Großherzogtum mit der Romagna verband. Das dritte Jahrtausend sieht Cesenatico als einen der berühmtesten Orte der Romagnolischen Riviera mit einem dynamischen Unternehmertum, das ein waches Gespür für den Wandel des Tourismusmarktes hat und der eigenen Tradition und Geschichte stark verhaftet ist. Eine perfekte Synthese von Altem und Neuem, die eine grundlegende Voraussetzung darstellt für das Bestehen auf einem "globalen" Markt, der seine Ansprüche an die Qualität ständig höher schraubt.

Cesenatico

Cesenatico liegt im Herzen der Romagna, an der adriatischen Küste und bietet den Ausgangspunkt für Ausflüge nach Ravenna, Venedig, Florenz, San Marino und noch viele andere bekannte sehenswürdige Städte. Mildes Klima, sanfte Hügel, steile Felsen und das Meer: So vielfältig sich die Natur in der Emilia Romagna zeigt, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, sich dort sportlich zu betätigen. Wen es nicht allein zum Baden an den Strand zieht, der hat in der Emilia Romagna zahlreiche Möglichkeiten, das idyllische Hinterland der Adria mit seinen Pinien- und Zypressenwäldern zu erkunden. Auch die Bergwelt des Apennin und Naturschutzgebiete wie die Gegend des Po-Deltas mit seinen wilden Pferden und Vögeln, seinen unberührten Sumpflandschaften und historischen Sehenswürdigkeiten sind gut zu Fuß oder mit dem Rad zu erobern. Zahlreiche Wander- und Radwege führen durch die schönsten Landschaften. Die Adriaküste der Emilia Romagna bietet unzählige Urlaubsmöglichkeiten. Hier erhält man bereits im Frühling einen Vorgeschmack auf den Sommer. Und besonders wer abseits der Saison kommt, erlebt einen unvergesslichen Urlaub mit Sonne, Meer und unzähligen Vergnügungen. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Sportmöglichkeiten und der Erholung in einer herrlichen Landschaft, die von sämtlichen Abstufungen der Farbe Grün bestimmt wird.Doch nicht nur für Radsportler ist Cesenatico die Hochburg für weitere, verschiedenste Sportarten. Die beiden Becken des wunderschönen Hafens von Cesenatico bieten Ankerplätze für über 500 Vergnügungsboote. Die dort gelegenen Segelclubs veranstalten Kurse und Regatten, wie zum Beispiel die „Vele di Pasqua“(Osterregatta)für Katamarane und Sportsegelei.


Trainingslager: Endlich war es soweit. Nach 9-stündiger Fahrt unter „extremen“ Witterungsbedingungen durch Schnee und Eis endlich angekommen, zeigte sich Cesenatico allerdings nicht gerade von der sonnigen Seite. Aber wir Radsportler sind ja nicht aus „Zucker“, immer optimistisch eingestellt: „Morgen wird’s schon besser werden“. Leider wurden wir dann aber im Hotel bei unserem morgendlichen Gang zum Frühstück täglich mit dem unmissverständlichen Computerausdruck der italienischen Wetterkarte konfrontiert. Sonne, Fehlanzeige. Im Laufe der Woche stellten sich dann meist im Schnitt Temperaturen so um die 10°C ein. Also keine Chance, den weißen „frisch rasierten“ Radlerwaden ein wenig Bräunung zu verschaffen. Trotz der etwas kühlen Witterungsbedingungen waren diese 10 Tage nicht mal halb so schlecht wie das Wetter. Jeder Tag wurde ausgiebig zum radeln genutzt.

Team

Team

Unsere Spezialisten für „Kompass und Karte“ Tom und Siegfried hatten das sehr gut im Griff. Die anfangs noch etwas seltsame italienische Beschilderung und Wegbeschreibung wurde von Tag zu Tag durchschaubarer. Mag aber vielleicht auch daran liegen, dass die nähere Umgebung einem immer bekannter vorkam ;-). Negativ waren allerdings die teilweise sehr schlechten Straßenverhältnisse sowie die Rücksichtslosigkeit einiger italienischer Autofahrer. Aber damit muss man leben, in Deutschland ist man ja auch einiges gewohnt zu mindestens was das Verhältnis Autofahrer/Velo betrifft. Positiv war wiederum, dass die Region um Cesenatico eine enorme Vielfalt an Trainingsstrecken anbietet. Hier kann man sich je nach Trainingszustand und Jahreszeit den ersten oder vielleicht auch den letzten Schliff holen. Mir persönlich kam es in erster Linie darauf an, die Grundlagenausdauer weiter zu stabilisieren. Allzu anspruchsvolle Strecken sollten nicht unbedingt auf dem Programm stehen. Aber wie sagte schon der Schriftsteller Ossowski:" Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt". So musste ich dann doch die Erfahrung machen, dass selbst in einem Trainingslager eines Radsportvereins so einige Male der Ergeiz über die Vernunft siegt. Gerade im Frühjahr bzw. am Anfang des Trainingsprozesses muss man größere Erholungsphasen einplanen. Deshalb ist es umso wichtiger von Anfang an richtig zu trainieren. Ein Grundsatz den gerade wir Freizeitradler beherzigen sollten, ich schließe mich da nicht aus, ist nun mal die richtige Trainingssteuerung: Grunglagenausdauer (GA1/2) kombiniert mit Krafteinheiten, dann den Umfang und zuletzt die Intensität steigern! Schließlich soll bei allem Ergeiz nicht der Spaß verloren gehen. Spaß hat esaber trotzdem gemacht und wenn die Truppe noch gut harmoniert um so mehr. So kam ich in der Woche auf 700km. Unangefochtener Rekordhalter wurde natürlich unser Siegfried Phillip mit seinen immerhin schon 65 Jahren! Er brachte es auf 900km. Noch einmal besten Dank für die hervorragende Organisation und viele Grüße an alle vom Weimarer RFV.


Das bekannteste Fahrrad-Langstreckenrennen mit Start und Ziel in Cesenatico ist das  „Nove Colli” (Neun Berge). Dieses alljährliche Volksfest bei dem bis zu 11.000 Teilnehmer starten gilt unter Kennern als eine der schwersten aber auch als eine der landschaftlich

Nove Colli

schönsten Strecken. Dieser Fahrrad-Marathon bei dem es gilt eine Strecke von über 200 Km und insgesamt 3800 Höhenmeter über neun Bergpässe zu überwinden, verlangt eine sehr gute Trainingsgrund- lage. Das traumhafte Hinterland von Cesenatico bietet für den Radsportler eine abwechslungsreiche Tour durch die Emilia Romagna. Und auch wenn man hier mit bis zu 11.000 Mitstreitern startet verteilt sich das Feld sehr schnell, so dass man streckenweise die Landschaft auch alleine genießen darf. Unterwegs gibt es zahlreiche Verpflegungsstationen und einen Streckenservice bei dem man die Kraftreserven wieder auftanken kann. Sanfte Abstiege, steile Anstiege, lange Abfahrten, für jeden Geschmack ist was dabei und das nicht nur während des berühmt berüchtigten Rennens. Aber auch für den nicht sportinteressierten Besucher ist dieses „Spektakel“ eine nicht alltägliche Erfahrung.

Touren: Von den insgesamt neun gefahrenen habe ich 5 Touren herausgesucht. Einige sind identisch mit den Beschreibungen der Tourkarte "Bike & Beach". Diese Karte bekommt man kostenlos in einigen Hotels sowie über das Organisationsbüro des "Nove Colli".

Tourkarte

Tour Distanz/Hm Bemerkung
Sorrivioli: 95km/930hm selbst zusammengestellte Tour
Poggio Berni: 53km/220hm Tour Nr.3 (Tourkarte Bike & Beach)
Longiano-Roncofreddo-Montiano: 55km/440hm Tour Nr.4 (Tourkarte Bike & Beach)
Perticara: 104km/1040hm Tour Nr.15 (Tourkarte Bike & Beach)
Pso. Mte. de. Forche: 148km/720hm selbst zusammengestellte Tour

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Interessantes rund um das bekannteste Radrennen der Region

Gutes, preiswertes Hotel mit sehr gutem Service. Einen guten Preis sollte man allerdings verhandeln.


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